[Projektvorschlag] Die Auswirkung der Einführung neuer Pigmente und Farbstoffe auf die Malerei im 19. Jahrhundert


Zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatten die Maler eine sehr beschränkte Palette. Insbesondere für den Farbton Blau standen kaum Pigmente zur Verfügung. Azurit war für die Ölmalerei ungeeignet, Smalte ein wenig farbstarker Farbton. Ultramarin verschwand von der Palette, da der Handel für den Halbedelstein Lapislazuli unterbrochen war. Lediglich das Berliner Blau stand als leicht erreichbares Blaupigment zur Verfügung. An Grünpigmenten gab es nur Grüne Erden und für Lasuren Kupferresinate (aus Grünspan). Gelbtöne konnten nur mit Ockerpigmenten und dem fadgelben Neapelgelb gestaltet werden. Gelbe Farblacke waren nicht lichtbeständig.

Die Entwicklung der Chemie im 19. Jahrhundert, ihre Möglichkeit der synthetischen Darstellung neuer Stoffe, wirkte sich auch auf die Herstellung von Künstlermaterialien aus. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden das Weißpigment (Zinkweiß), ein neuer Blauton (Kobaltblau) und neue Grüntöne (Scheelsches Grün, Schweinfurter Grün, Chromgrün und Chromoxidgrün) sowie Gelbtöne (Chromgelb, Kadmiumgelb) eingeführt.[1] Diese neuen Farbtöne beeinflussten zum Beispiel das Kolorit der Landschaftsmalerei der Schule von Barbizon, deren Gemälde wegen der Verwendung kräftiger Grüntöne als ‚Spinatbilder‘ tituliert wurden.[2]

Auch die Palette der französischen Impressionisten wurde durch die neuen Pigmente bereichert, zumal diese zu diesem Zeitpunkt bereits so kostengünstig waren, dass sie tatsächlich auch in großem Umfang eingesetzt werden konnten.[3]

Die historistische und symbolistische Malerei von Arnold Böcklin, Franz von Lenbach und Franz von Stuck ist vor allem wegen ihrer Bindemittelverwendung (Tempera) von großem Interesse. Ihre Pigmentverwendung ist vor allem in Bezug auf Füllstoffe (Kreiden, Barytweiß) interessant, da es ihnen die Strukturierung der Farboberflächen (Impasto) ermöglichte. Diese Füllstoffe sind, wenn sie in Öl gebunden sind, transparent, sind sie aber in einem wässrigen Medium gebunden, können sie Weißtöne verstärken. Diese Maler können als Beispiele für die Künstler des 19. Jahrhunderts dienen, denen beinahe die gesamte Farbpalette des 19. Jahrhunderts zur Verfügung stand. Auch für diese Maler liegen bereits Untersuchungen vor.[4]

Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Künstlerpalette um die zahlreichen Farbtöne der Teerfarbstoffe bereichert.[5] Diese wurden auch zum sogenannten „Schönen“ von herkömmlichen Pigmenten verwendet, d.h. sie wurden den Pigmenten zugesetzt, um den Farbton zu verstärken. Die vielfältigen neuen Farbtöne wurden mit neuen Namen bezeichnet, die oft auch irrführend sein können. Von Ernst Ludwig Kirchner ist bekannt, dass er die sogenannten Eilido-Töne, die ab 1912 von der Fa. Günther Wagner (Pelikan) produziert wurden, verwendete.[6]

Für das Projekt ‚Farbraum und Farbpalette‘ wird hier die Fragestellung formuliert, inwieweit sich die Einführung neuer Pigmente auf die Farbgestaltung von Gemälden ausgewirkt hat und ob sich die Auswirkung mit der Farbraumanalyse darstellen und nachvollziehen lässt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Farbtöne selten völlig rein verwendet wurden. Grüntöne wurden aus Blau und Gelb gemischt, sogar Tubenfarben wurden gemischt, wie z.B. das Chromgrün, das aus Preußisch Blau und Chromgelb gemischt wurde. Eventuell lassen Gemälde z.B. des Expressionismus, die eine Verwendung von reinen Farbtönen zeigen, deutlichere Aussagen zu. Zum Vergleich der Landschaftsmalerei der Schule von Barbizon könnte ein Landschaftsgemälde des ausgehenden 18. Jahrhunderts herangezogen werden.

Die Untersuchung sollte anhand von Malern durchgeführt werden, über deren Pigmentverwendung bereits Untersuchung vorliegen. Hier werden deshalb 1. die Schule von Barbizon, 2. die französischen Impressionisten, 3. Arnold Böcklin, Franz von Lenbach und Franz von Stuck und 4. Ernst Ludwig Kirchner vorgeschlagen.

  1. Anfertigen einer Tabelle der neueingeführten Pigmente und Farbstoffe.
  2. Überprüfen, ob das Stichwortrepertoire von Artigo aussagekräftig ist und eine Korrelation zwischen der dort genannten Farbangaben und der Tabelle ergibt.
  3. Überprüfen, ob die Farbraumanalyse geeignet ist, Veränderungen in der Farbverwendung zu detektieren.
  4. Überprüfen, ob sich die Methode nur für die Verwendung reiner Farben (also nur 1 Pigmenttyp in der Farbe) oder auch für Mischungen anwenden lässt.
  5. Gibt es Stilrichtungen, die leichter untersucht werden können, weil sie mit einfachen reinen Farbflächen arbeiten (z.B. Expressionismus)?

 


Literatur

Pigmente allgemein

 

Aus dem Katalog des Zentralinstituts für Kunstgeschichte (kubikat)

Kühn, Hermann
Farbe, Farbmittel: Pigmente und Bindemittel in der Malerei 
1974
In: RDK Labor, (Volltext kostenfrei)
 Aufsatz

 

Reclams Handbuch der künstlerischen Techniken. Stuttgart: Reclam, 1984-1990. 1. Band: Farbmittel, Buchmalerei, Tafel- und Leinwandmalerei. 1984.

Wehlte, Kurt, Werkstoffe und Techniken der Malerei: mit einem Anhang über Farbenlehre; ein Fachbuch, 2., überarb. Aufl. – Ravensburg : Maier, 1967. – 856 S., 54 Bl. (es gibt auch neuere Ausgaben: Fachbuchhandlung Siegl; Stabi Lesesaal).

Cattaneo, Claudia, Farbpigmente, Farbstoffe, Farbgeschichten  : [das Buch über Pigmente und Farbstoffe – ihre Herkunft, Herstellung und Anwendung ; Ausstellung Farblabor im Gewerbemuseum Winterthur vom 19. November 2006 bis 27. Juni 2008].
[Winterthur],  Alataverl.:  2011. (kubikat, allerdings ohne Signatur, müsste aber in München erreichbar sein).

Ingo Klöckl: Chemie der Farbmittel in der Malerei 2015. XII, 679 S. 150 s/w.- u. 28 Farbabb., 97 s/w Tab. Gebunden. Das Buch behandelt die chemischen Strukturen von Farben, Pigmenten, Farbstoffen, Bindemitteln und Hilfsstoffen.

Skowranek, Heide, Eilido colours : sources relating to the introduction of coal-tar colours and their controversial reception in the early 20th century. 2016. In: Sources on art technology. Back to basics, S. 34-42. (kubikat)

 

Pigmentuntersuchungen

  1. Schule von Babizon:

Burmester, Andreas, Comment ils inventaient ces verts chatoyants?: blau, gelb, grün und die Landschaftsmalerei von Barbizon.  1999. In: Burmester, Andreas [Hrsg.], Barbizon  : Malerei der Natur – Natur der Malerei. München: Klinkhardt & Biermann, 1999, S. 295-329.

 

  1. Französische Impressionisten:

Bomford, David, Impressionism: art in the making; [dates of the exhibition: 28 November 1990 – 21 April 1991]. New Haven [u.a.]:  Yale Univ. Press,  1990.

 

  1. Arnold Böcklin, Franz von Lenbach, Franz von Stuck:

Neugebauer, Wibke, Von Böcklin bis Kandinsky  : kunsttechnologische Forschungen zur Temperamalerei in München zwischen 1850 und 1914. Berlin: Pro Business GmbH,  2016.

http://www.hfbk-dresden.de/studium/studiengaenge/fakultaet-2/restaurierung/wissenschaftliche-arbeiten-und-publikationen/dissertationen/neugebauer/

Im Teil 5 = Anhang sind die Gemäldeuntersuchungen mit den Pigmentangaben zu finden.

 

  1. Ernst Ludwig Kirchner

Krekel, Christoph, „Der Reichtum der Palette“  : Kirchners Pigmente. In: Zeitschrift für Kunsttechnologie und Konservierung, 27 (2013),1, S. 17 – 29.

Skowranek, Heide, Eilido colours : sources relating to the introduction of coal-tar colours and their controversial reception in the early 20th century. In: Sources on art technology. Back to basics, 2016, S. 34-42.

 


[1] Burmester, Andreas, Comment ils inventaient ces verts chatoyants?  : blau, gelb, grün und die Landschaftsmalerei von Barbizon.  1999. In: Burmester, Andreas [Hrsg.], Barbizon  : Malerei der Natur – Natur der Malerei. München, Klinkhardt & Biermann:  1999, S. 295-329.

[2] Meyer, Andrea, Spinatbilder und Fliegenschmutz oder Barbizon vor Barbizon  : zur deutschen Rezeption der französischen Landschaftsmalerei in der Mitte des 19. Jahrhunderts.  In: Dialog und Differenzen, Berlin: Deutscher Kunstverlag 2010, S. 153-166.

[3] Bomford, David, Impressionism  : art in the making ; [dates of the exhibition: 28 November 1990 – 21 April 1991]. New Haven [u.a.],  Yale Univ. Press:  1990.

[4] Neugebauer, Wibke, Von Böcklin bis Kandinsky  : kunsttechnologische Forschungen zur Temperamalerei in München zwischen 1850 und 1914. Berlin : Pro Business GmbH,  2016.

[5]Siehe wikipedia: Teerfarben. Zugriff 28.3.2017.

[6] Krekel, Christoph, „Der Reichtum der Palette“: Kirchners Pigmente. In: Zeitschrift für Kunsttechnologie und Konservierung, 27 (2013), 1 , S. 17 – 29. Firmenschrift Günther Wagner.

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