3. Analyse

Diese Erörterung soll die von uns gewonnenen Erkenntnisse im Bezug auf

  1. Gesamterlöse nach Dekade & Entwicklung des Durchschnittspreises
  2. Gemäldeformate und deren Relation zu erzielten Preisen
  3. Vergleiche anhand der Top 20 Künstler
  4. Erzielte Gesamtsumme für Ölgemälde des langen 19. Jh. nach Dekade
  5. Verhältnis der Erlöse der Top 20 Künstler zu denen aller anderen Künstlern
  6. Top 20 Künstler nach durchschnittlichem Preis
  7. Ranking nach Preis pro Quadratzentimeter im Vergleich zu Ranking nach Durchschnittspreis
  8. Top 20 nach erzielter Gesamtsumme

widerspiegeln. Ziel ist es, die Marktrelevanz einzelner Künstler in Bezug auf Format, Schaffenszeitraum, quantitativem Output und Relation auf dem Markt zu verdeutlichen.

Allgemeine Vermutungen einer Preissteigerung in Annäherung an die Gegenwart konnten bestätigt werden, die Annahme, der goldene Schnitt sei möglicherweise ein oft gewähltes Format, wurde widerlegt. Erstaunlich war die wirtschaftliche Bedeutung der bei Christie’s höchstgehandelten Künstlern in Proportion zu allen anderen.

3.1 Gesamterlöse nach Dekade & Entwicklung des Durchschnittspreises

Anhand der gesammelten Daten lassen sich einige interessante Beobachtungen machen:

  • Die Gesamterlöse sind bis zum Zeitraum 1910-1920 beinahe stetig gestiegen
  • Der Durchschnittspreis für die Werke ist in Annährung an die 1920er Jahre ebenfalls eher gestiegen
  • Im Zeitraum 1800-1810 gibt es eine signifikante Ausnahme des Durchschnittspreises

 

Um den Bereich 1800-1810 gibt es einen signifikanten Ausschlag, die Preise sind mehr als doppelt so hoch wie in den benachbarten Jahrzehnten, beinahe bei 15 Millionen Euro Durchschnittspreis. Es stellt sich die Frage, was der Zeitraum 1800-1810 hervorgebracht hat, um so eine Steigerung zu erleben? Aus Erfahrung wissen wir, dass einige Künstler mehr produziert haben bzw. wegen hoher Nachfrage höher gehandelt werden können, als andere. Schaut man sich den Datenbereich dieses Jahrzehnts genau an, kann festgestellt werden, dass Vladimir Borovikovsky in dieser Spanne Werke gefertigt hat, die äußerst gewinnbringend mit 12 Millionen US Dollar verkauft werden konnten.

Rechnet man diesen einen Künstler nun heraus, sprich, berüchsichtigt nur die relativen Verkaufsdaten aller anderen Künstler aus diesem Zeitraum, ist die linearähnliche Kurve wieder hergestellt- denn bis auf Borovikovsky wurden andere Künstler dieser Dekade nicht wesentlich höher, als erwartet gehandelt. Schlusszufolgern ist, dass ein einziger Künstler die Statistik in dieser Betrachtungsweise unrealistisch verzerren kann.

 

Zusammenfassend wurde unsere Vermutung in dieser Sache bestätigt: Umso jünger ein Werk des 19. Jahrhunderts, sprich, für den zeitgemäßen Kunstgeschmack verständlicher es ist, desto höher ist der Preis, der im Mittel dafür erzielt werden kann.

3.2 Gemäldeformate und deren Relation zu erzielten Preisen

Auch bietet sich die Untersuchung der Seitenverhältnisse der bei Christie’s verkauften Bilder an.

Untersucht werden soll, ob der Markt eher an querformatigen oder hochformatigen Werken interessiert ist- wobei bei ersterem eher auf dekorative Sujets wie Landschaft oder Stillleben geschlossen werden kann, beim Hochformat eher auf ein persönlicheres Portrait oder eine Genreszene.

Vermutet wird ebenso, dass der goldene Schnitt, kunsthistorisch als ein äußerst angenehmes Bildformat bekannt, womöglich höheren Anklang beim geneigten Käufer finden würde, eine Theorie, die sich dann auch in den Verkaufspreisen ablesen lassen müsste.

Mehr als die Hälfte der verkauften Werke (55%) sind im Querformat angelegt. Etwa 41% der versteigerten Objekte hatte Hochformat- was in den meisten Fällen auf ein Portrait schließen lässt. Es ist wenig überraschend, dass Landschaftsmalereien öfter ver- und ersteigert werden, als Abbilder fremder Personen.

 

 

In den Daten ebenso dokumentiert die Seitenverhältnisse der versteigerten Gemälde. Erstaunlich hierbei ist, dass mit über 200 Werken das am meisten vertretene Seitenverhältnis 1,2:1 ist, wohingegen Gemälde im Goldenen Schnitt- bekannt als das für das Auge erhabenste Verhältnis von Proportion- lediglich etwas unter 50 Werken verkauft wurden.

 

 

Abseits der Kenntnis von Bildinhalt oder Zeitraum soll aber auch analysiert werden, welcher Künstler wie hoch gehandelt wird.

3.3 Vergleiche anhand der Top 20 Künstler

Überblickt man die Relation von Quantität und erzielten Verkaufswerten, bestätigt sich bei einigen großen Namen der Status, bei anderen relativiert er sich: So wurden nur etwas unter 60 Werke von Monet auf dem Markt verkauft, diese aber zu einer Gesamtsumme von über 500 Millionen Euro. Werke des  Epochengenossens Auguste Renoir, ebenfalls eine Größe der Impressionisten, wurden in etwas höherer Anzahl verkauft, allerdings von einem Gesamterlös von unter 200 Millionen Euro. So kann natürlich kein Ranking erstellt werden, welcher Künstler der bessere sei, jedoch eindeutig ausgesagt werden: Monet wird im Mittel wesentlich höher gehandelt, als Renoir.

 

 3.4 Bei Christie’s erzielte Gesamtsumme für Ölgemälde des langen 19. Jh. nach Dekade

Wenn man das lange 19. Jahrhundert getrennt in Dekaden betrachtet, lässt sich eine interessante Beobachtung machen: die Kunstwerke, die zwischen 1790-1830 Jahren geschaffen wurden, sind im Bezug auf Ihren Wert am internationalen Kunstmarkt irrelevant. Für die Werke, die zwischen 1840 und 1860 entstanden sind, kann man nur eine minimale Steigerung des Interesses beobachten.

Erst in den 1870er Jahren kommt es zu einer erheblichen Steigerung der erzielten Gesamtsummen auf 10% des Gesamterlöses des langen 19. Jahrhunderts. Die 1880er Jahre und die 1890er Jahre fallen danach schon mit etwas höheren Prozentsätzen von 16% und 12% ins Gewicht.

Ab 1900 kommt es nochmal zu einer Steigerung der Anteile an der Gesamtsumme auf die beiden höchsten Anteile im langen 19. Jahrhundert.

Generell lässt sich beobachten, umso weiter man sich der Gegenwart nähert, desto grösser sind die Gesamterlöse. Auf Basis dieser Grafik kann man feststellen, dass man mehr für diejenigen Ölgemälde ausgibt, die näher an der heutigen Realität sind.

 

 

3.5 Verhältnis der Erlöse der Top 20 Künstler zu denen aller anderen Künstler

Unten stehender Graph zeigt, dass die Autorenschaft des Kunstwerks eine sehr entscheidende Rolle für die erzielten Umsätze spielt. Es entfallen 41% des Gesamtumsatzes auf die 20 umsatzstärksten Künstler, mit den renommiertesten Namen. Alle anderen ca. 750 Künstler des langen 19. Jahrhunderts teilen sich die restlichen 59% der Gesamtumsätze bei Christie’s auf.

Folglich lässt sich zeigen, dass neben der Dekade, in der ein Kunstwerk enstanden ist, vor allem der Autor des Werks für den Preis entscheidend ist.

 

3.6 Top 20 Künstler nach durchschnittlichem Preis

Auf dieser Grafik sieht man die schon oben genannten Top 20 Künsler, hier angeordnet nach durchschnittlich erzieltem Verkaufserlös. Auffällig ist, dass die Arbeiten von Schiele und Klimt erheblich teurer waren, als die Arbeiten von z.B. Edouard Manet. Vor dem kunsthistorischen Hintergrund, dass Schiele sehr jung gestorben ist und daher seine Schaffensperiode kurz war, die Anzahl verfügbarer Werke also relativ begrenzt ist, kann man einen Zusammenhang herstellen zwischen hohem Verkaufspreis und der Anzahl verkäuflicher Werke eines Künstlers.

 

3.7 Ranking nach Preis pro Quadratzentimeter im Vergleich zu Ranking nach Durschnittspreis

Folgende Tabelle vergleicht die zwanzig verkaufsstärksten Künstler, einmal sortiert nach erzieltem Durschnittspreis und einmal nach Durschnittswert pro Quadratzentimeter. Es lässt sich beobachten, dass unter Einbezug der Größe eines Kunstwerks eine veränderte Rangfolge ergibt. Daraus lässt sich schließen, dass der Verkaufspreis pro Quadratzentimeter sich nicht proportional  zum Durschnittspreis der Kunstwerke verhält, sondern, je nach Künstler, unterschiedlich ausfallen kann.

3.8 Top 20 nach erzielter Gesamtsumme

Basierend auf dem Beispiel mit Schiele und den Preisen für seine Arbeiten, kann man im folgenden Graphen einen wichtigen Punkt erkennen. Ein bedeutender Name und hoher, durschnittlicher Verkaufspreis bedeutet nicht, dass der Künstler einen großen Teil am Gesamterlöses des Auktionshauses ausmachen. Was sich z. B. daran beobachten lässt, dass Schieles Name nicht in der Grafik auftaucht obwohl er die höchsten Durschnittspreise für seine Werke erzielt hat. Trotzdem lässt sich zeigen, dass, abgesehen von einigen Ausnahmen, die zum Beispiel dem kurzen Leben und daher geringen Werkumfangs geschuldet sind, eine Paralelle besteht zwischen erzieltem Durschnittspreis und Anteil an Gesamterlös bei Christie’s.

 

 

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